-- Christian Hinrichsen -- Diplomkaufmann Kommunikationstrainer, Einzel- und Teamcoach, Mediator für privat, Kita, Schule, soziale Einrichtung und Firmen aller Art

 

 

 

 

 

 

Blog

Herzlich willkommen!

 

Hier veröffentliche ich in unregelmäßigen Abständen Beiträge zu meiner Sichtweise zur wertschätzenden Kommunikation nach Rosenberg. Anlässe dazu können Fragen sein, die mir gestellt werden oder auch aktuelle Anlässe gesellschaftlicher Art. Ich hoffe Sie finden hier auch für Sie interessantes.

 

"Alles, was es wert ist getan zu werden, ist es auch wert unvollkommen zu tun"
Marshall B. Rosenberg

 

Herzlichst,

Christian Hinrichsen 
 

 


08. Februar 2016, 17:25

Was ist lebendig in Dir?

Was bringt GFK? Was bringt es Dir?

Alina Müller (Pseudonym) schreibt hier von Ihrer ganz persönlichen Erfahrung mit der GFK in Ihrer Lebensgeschichte und freut sich über Deine Rückmeldung und Deine Geschichte.

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W a s . i s t . l e b e n d i g . i n . D i r?

Ich habe sehr früh gesehen, dass ich kaum Freundinnen fand. Ich begann mit 17 Jahren eine Psychotherapie und wurde immer unglücklicher dabei. Immer wieder sagte ich, dass ich nicht richtig weiter kam. Eine Antwort auf diese Feststellung von den meisten Therapeuten: „Wo willst du denn hin?​“ Meistens hat mich diese Antwort so fertig gemacht, dass ich keine passende Antwort geben konnte. Diese Aussage war schon das Ergebnis von einer oft wochenlangen Suche. Ich kam mir nicht ernst genommen vor und war verwirrt und enttäuscht und für Gefühle hatte ich kaum Wörter. Der Therapeut war eine Autorität für mich und ich hatte vor der Therapie schon das Gefühl, „alles nicht richtig zu machen“.

Einmal hatte ich das Gefühl, endlich hat jemand kapiert, was ich will. Ich erzählte meinem Therapeuten immer wieder, wie unzufrieden ich an meinem neuen Arbeitsplatz war,​weil ich sah, wie uneffektiv gearbeitet wurde und dass ich es nicht schaffte, die Kollegen von einer besseren Methode zu überzeugen. Auch dem Chef konnte ich scheinbar nicht erklären, was ich will, obwohl es doch offensichtlich war. Dieses Mal meinte mein Therapeut: „Du musst freundlich bleiben, davon hängt alles ab. Du kannst die besten Ideen haben, wenn du nicht freundlich bist, werden die nicht angenommen.​“ Ich war erleichtert, endlich mal eine passende Erwiderung geben zu können: „Das weiß ich. Deshalb bin ich doch hier!​“ Ich sehe noch heute, viele Jahre später, wie es in ihm arbeitete. Danach bekam ich seine „Lösung“. Ein Blatt Papier und ich sollte aufschreiben:

Überschrift: Small Talk
Ziel: Kontaktaufnahme, kurze Unterhaltung
Begrüßung: Hallo, Guten Tag, Lange nicht mehr gesehen.​.​.

Neue Überschrift: Konfliktgespräch

Ich fragte: „Was soll ich damit? Wenn ich mit jemand reden will, soll ich dann meinen Zettel rausholen und sagen „Also wir machen jetzt Small Talk.​.​“ „Nein, natürlich nicht. Du sollst das nur wissen.​“ Ich habe weiterhin meine Stunden bei ihm genommen und privat bezahlt. Ich war es gewohnt, nicht mit allem verstanden zu werden, und ein paar gute Sachen hatte er mir doch auch gesagt. Ich war mir sicher, dass ich wieder irgendetwas nicht richtig gesagt hatte, bloß was?

Es folgten weitere Jahre mit Selbsthilfegruppen und Klinikaufenthalten. Durch eine Bekannte, die in einer anderen Klinik GfK geübt hatte, bin ich neugierig geworden. Ich hab mir zunächst Bücher ausgeliehen, und ich sah sofort, dass ich gefunden hatte, was ich suchte. Darüber waren 40 Jahre vergangen. Ich konnte nicht viel lesen, nach längstens einer Seite war ich am Ende, total in Schmerz und Wut, und ich brauchte Erholung, bis ich wieder einen Abschnitt lesen konnte. Ich sah, dass ich so nicht viel weiter kam und suchte mir wieder eine Therapeutin. Das war zunächst schwierig, ich musste mindestens eine Stunde fahren und ich konnte am Telefon gar nicht richtig erzählen. Sobald ich daran dachte, brach ich in Tränen aus. Kurz nach der zweiten Gruppensitzung war ich mit Mann und Tochter bei meinem Bruder zu einer Familienfeier eingeladen. Dazu mussten wir zwei mal übernachten. Mein Verhältnis zu ihm ist heute noch angespannt, aber mehr suchend. Damals war es überhaupt nicht vorhanden. Als wir zurückfuhren, war ich erstaunt und erleichtert, wie gut alles gelaufen ist. Ein paar Wochen später nahm ich dann auch Einzelsitzungen. Meine Wut wurde langsam weniger. Dies glauben und annehmen konnte ich erst, nachdem ich ein paar Mal gesagt hatte, „Ich habe so eine Wahnsinns-Wut, ich könnte hier alles zusammenschlagen.​“ Meine Therapeutin hat daraufhin nur mit dem Kopf genickt. Das war unangenehm. Mit so viel Annahme konnte ich nicht umgehen.

Vielleicht vernahm ich erst danach ihre Frage, sicher habe ich sie vorher einige Male überhört, sie war auch unangenehm: „Was ist lebendig in dir?​“ Zuerst hat sie mich irritiert und beim nächsten Mal spürte ich voller Schreck: Da ist gar nichts lebendig! In mir war nur ein harter, schwerer Stein.
Danach begann ich allmählich zu fühlen.

Ein halbes Jahr nach meiner ersten Gruppen-Sitzung ging ich wieder zu einer Groß-Veranstaltung meiner Selbsthilfegruppen, die ich bisher immer mal wieder besucht hatte. Oft kommen über drei Tage ein paar Hundert Leute zusammen. Einige kannte ich schon von dort, andere aus Gruppen. Wie immer fuhr ich mit ganz gemischten Gefühlen hin. Ich konnte zwar Gespräche führen, obwohl ich nicht wusste, wer dort sein würde, Treffen ausmachen, das konnte ich nicht. Dieses mal hatte ich mir etwas mehr vorgenommen. Ich wollte endlich auch etwas beitragen. So hatte ich mich angemeldet, eine Weile einen Bücherstand zu betreuen. Schon gleich zu Anfang lief einiges schief, was mich nicht weiter berührte. Ich dachte: „ Ich habe ja keine Erfahrung und mir wurde doch versprochen, dass ich einen kompetenten Partner haben werde.​“ Dann standen zehn Leute vor unserem Tisch, jeder wollte was anderes, mein Partner bediente drei Interessenten gleichzeitig und mir fuhr er noch beruhigend über den Rücken „Ist alles gut, .​.​.​keine Panik!​“ Ich war erstaunt, dass ich wirklich ruhig bleiben konnte. Kurz danach wäre ich bisher in den Park gegangen, und mir eine freie Bank zum Ausruhen gesucht. Mir kam jemand entgegen, den ich noch nie gesehen hatte. Er lächelte mich freundlich an und sprach mich an. Ich konnte ihm eine Erwiderung geben. Ich führte noch einige Gespräche und später setzte ich mich müde aber zufrieden in die Straßenbahn.

Erst am nächsten Tag fiel mir auf, was passiert war: Ich hatte eine Menge freundliche Gespräche geführt, obwohl ich kaum Bekannte getroffen hatte. Allein der Bücherstand, der hätte mich bisher fix und fertig gemacht, und das war absolut nicht der Fall. Stattdessen war ich jetzt am Ende meiner Kräfte. Kommunikation läuft so einfach!

Ich hab vierzig Jahre gebraucht, das zu verstehen! Tagelang lief ich wie im Trance durch mein Leben. Freude war keine da, nur Trauer, Schmerz und Wut. Diese Gefühle kommen heute noch immer wieder mal hoch und es fällt mir immer noch schwer, meine Gefühle und Bedürfnisse zu benennen und ich bin total dankbar, dass meine Therapeutin so viel Geduld mit mir hat und dass ich in dieser tollen Gruppe sein darf.

Meinen größten Dank möchte ich an Marshall Rosenberg aussprechen, was ich leider versäumt habe. Nun ist es zu spät. Jetzt geht mein Dank stellvertretend an alle GfK -Therapeuten und an alle anderen lieben Menschen, die dieses großartige Programm leben und weitertragen.
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Was ist lebendig in Dir.jpg

Redakteur

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08. Februar 2016, 00:26

Vom „Müssen“, „Sollen“ und „Entscheidungen“

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Warum "sollte" ich etwas?
Warum "muss" ich etwas?
#

Kennst Du solche Sätze/​Gedanken?
"Ich muss heute noch .​.​.​"
"Man sollte .​.​.​"
"Das geht gar nicht!​"
"Das sagen auch die anderen!​"
usw.

Eines haben solche Formulierungen alle gemein. Es geht um eine klare Vorstellung, wie das Leben zu funktionieren hat. Hinterfragen ist nicht erlaubt (oder nicht erwünscht?​).

In der wertschätzenden Kommunikation (auch zu mir selbst) geht es in meinem Verständnis um die innere Haltung und das Bewusstsein, dass ich nicht muss oder sollte, sondern dass alles was ich tue einem Zweck dient .​.​.

… DEM Zweck dient mir Bedürfnisse zu erfüllen .​.​.

Es geht also darum sich spürbar bewusst zu machen, um was für Bedürfnisse es mir geht, wenn ich meine etwas zu "müssen" .​.​.

Es sind in der Regel mindestens zwei Bedürfnisse, die scheinbar im Widerstreit miteinander stehen, wenn ich ein "muss" auf dem Lippen habe und die kann ich sprachlich transparent machen.

Im meinem Denken gibt es von daher auch kein "man sollte das anders formulieren".​.​. ;​-)

Beispiel
"Ich muss noch die Termine veröffentlichen"
dahinter könnte einmal das Bedürfnis stehen erfolgreich mit meiner Arbeit zu sein und gleichzeitig das Bedürfnis nach mehr Leichtigkeit und Zeit für mich .​.​.

Jetzt kann ich mich bewusst entscheiden, ob ich die Termine veröffentliche oder spazieren gehe .​.​.
ganz ohne "müssen" und ohne schlechtes Gewissen .​.​.

Andere Formulierungen können also sein .​.​. wenn ich nur an die Termine denke, die noch nicht veröffentlicht sind, da spür ich Druck, mag mehr Effiezienz und ich mag auch erfolgreich mit meinen Angeboten sein .​.​.
gleichzeitig bin ich grad echt genervt und brauch mehr Ruhe .​.​.

Ich entscheide mich für eine klare Vereinbarung mit meiner Familie um 15 Uhr spazieren zu gehen und denke mit diesem Ziel vor Augen die nächsten zwei Stunden effizient die Zeit zu nutzen und ein gutes Stück weiter zu kommen mit der Veröffentlichung meiner Termine.
(tatsächliches Beispiel aus meinem Alltag .​.​.​)

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In loser Folge möchte ich Fragen, die mir zur wertschätzenden Kommunikation gestellt werden beantworten. Gerne könnt Ihr mir Eure Fragen stellen. Und ich freue mich, wenn Ihr hier in den Kommentaren Eure Erfahrungen zum jeweiligen Thema teilt. Ich mags lebhaft und liebe es auch dazuzulernen.

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+ + + + + + + .​D i e . Z e i t . i s t . r e i f !​. + + + + + + +
+ + + Reif für eine VERSTÄNDNIS-volle Kommunikation + + +
+ + + + + + WERT - schätzende Kommunikation + + + + +
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Mit herzlichem Gruß,
Christian Hinrichsen

Redakteur

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