Die Frage, die mich erreicht hat

Wie kann ich meinem Sohn (35) erklären,  dass ich eine Bitte geäußert habe und keine Forderung?  


Der mir übermittelte Hintergrund

Meine Bitte an ihn (nach einem längeren achtsamen Gespräch) war: 

Ich hätte gern, nachdem ich ihm was geschenkt habe (Geburtstag,  Weihnachten), ein Feedback,  ob's passt. Auch wenn's nicht passt, wäre mir eine Resonanz wichtig.


Er versteht diese Bitte als Forderung und gab zur Antwort: 

Wenn ich mich jedesmal bedanken MUSS, dann will ich keine Geschenke mehr. 
Ich hab erklärt,  dass es mir nicht um das Wort "danke" geht, sondern um ein Feedback. Er blieb hart bei seiner Interpretation der Situation. 



Auch hier wieder ein theoretischer Vorspann:
Es gibt keine "richtige" GFK Art, wie ich womit umzugehen habe. Das ist sehr individuell und hängt sowohl vom Sender (mir, der spricht), als auch vom Empfänger (mein Gegenüber) ab, wie es "funktioniert". 

Wenn ich bei dem einen Menschen meine, alles sei im Fluss und es wäre so leicht wertschätzend sich miteinander auszutauschen, kann es mir bei einem anderen Menschen sehr sehr schwer fallen. Ich habe dann vielleicht den Eindruck von mir, noch nie in meinem Leben von GFK gehört zu haben, weil es mir im Kontakt mit diesem Menschen einfach schwer fällt, wirklich bei mir zu bleiben.

Und wir wissen "nie" wie unser Gegenüber auf das von uns Gesagte reagieren wird. Das kann heute so und morgen anders sein.
GFK bedeutet in diesem Sinne vor allem "flexibel" sein ... sich auf die Situation immer wieder neu einstellen. Achtsam mit sich selber und meinem gegenüber sein ... im Sinne von: Ich bin mir meiner Reaktionsmuster bewusst und nehme mir die Zeit diese zu verstehen, um dann frei zu entscheiden, wie ich gerne reagieren möchte.

Was ist in meinem Verständnis im obigen Gespräch zwischen Mutter und erwachsenen Sohn passiert:
Die Mutter stellt eine Bitte, die der Sohn als Forderung hört. Die Mutter will das richtig stellen, doch der Sohn will davon nichts wissen.

Das hätte durchaus auch "funktionieren" können. Worauf es jetzt ankommt, ist an der Stelle etwas zu ändern, an der es offensichtlich hängt. Das sind für mich drei Stellen. 


1. Ist sich die Mutter über ihr Bedürfnis wirklich bewußt, weshalb sie eine Rückmeldung will? Ich unterstelle im weiteren, dass es der Mutter um Sinnhaftigkeit geht.


2. Was wäre, wenn der Sohn wirklich "Nein, will ich nicht" sagen würde? Hätte ich da noch irgendwelche Urteile, dann wäre die Bitte wohl wirklich eine Forderung.


 

 

 

 

3. Wie nehme ich die Botschaft meines Gegenübers auf? Höre ich es als  Angriff? Kann ich mein Gegenüber empathisch abhoen? 


Dafür wäre es wichtig einmal genau hinzuhören, was der Sohn denn da meint. Er mag wohl offensichtlich mit seinem Anliegen verstanden werden, bevor er bereit ist wieder zuzuhören. 

Also nachdem die Mutter versucht hat klar zu machen, wie sie es gemeint hat und der Sohn das irgendwie nicht annehmen wollte, fängt mein exemplarischer Dialog an:

Mutter:

"Ah ... ok ... Du hörst das als eine Forderung von mir, Dich bedanken zu müssen?
Du kennst das so aus der Vergangenheit? Hast Du von mir oft Forderungen gehört?"


"Ja Mama ... Du versteckst Deine Forderungen ja immer nur in komischen Umschreibungen. Du willst ein Danke hören und sonst bist Du sauer. Gib es doch wenigstens mal zu!"


Mutter nachdenklich:
"ok ... was in der Vergangenheit war, kann ich nicht mehr ändern. Ich merk in mir, wie ich es bedaure, wie das bei Dir ankommt. Ich mein ... ich bin Mutter ... ich kann da wohl auch nicht aus meiner Haut, dass ich ab und zu auch denke zu wissen, was besser für Dich wäre ... da habe ich wohl immer wieder auch heftig reagiert, wenn Du das so nicht wolltest, wie ich ... ist es das, was Du meinst? "

"Ja auch ... nur mir geht es jetzt in erster Linie darum, dass Du mich mein Leben leben läßt. Ok? Ich bin 35 Jahre und ich mag selber entscheiden, wann ich und wie ich wem was zu den Weihnachtsgeschenken sag. Eigentlich sag ich das ja nur so zu Dir, weil ich Dir vertraue. Anderen sag ich das ja gar nicht. Mich nervt diese Erwartungshaltung, sich riesig über Geschenke freuen zu müssen. Da kriegst Du glaub ich grad meinen Weihnachtsfrust ab."

"Ah ... ok ... Du magst es da etwas lockerer und entspannter, oder?"

"Ja ... ich mein ist doch wirklich schon fast die stressigste Zeit die Weihnachtszeit, oder? Und eigentlich ist es das Fest der Freude, der Liebe und der Stille. Ich find, da darf es schon auch mal entspannter zugehen, oder?"

"Ja also ich da bin ich ja sowas von bei Dir. Ich mag das ganz entspannt. Ich hab das auch gar nicht so gemeint. Magst grad nochmal hören, was ich eigentlich wollte?"

"Ja klar Mama. Erzähl."

"Mir ging es um Leichtigkeit. ICh schenke echt gerne und gleichzeitig mag ich nur schenken, wenn es für den Beschenkten auch Sinn macht. Darüber mag ich einfach eine Rückmeldung haben. Letztendlich ist es für mich genauso ok nichts zu den besonderen Tagen zu schenken. Ich find es ja schon schön, einfach Zeit miteinander zu verbringen. Und schenken halt nur, wenn es Sinn macht. Und wenn Dir das zuviel ist oder Du sonstwie mir keine Rückmeldung geben magst, dann ist das auch wirklich ok!"

"Echt so hast Du das gemeint? ..."



 

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